
Ein Samstag morgen mitten in Frankfurt, der Radiowecker reißt mich mit einem fröhlich, trällerndem „gute Laune“ Lied aus dem Schlaf. Verdutzt schaue ich auf die Uhr, es ist doch erst 10:00 Uhr denke ich. Um die Zeit schlafe ich an einem Samstag meist noch tief und fest. Da war ja was, ich bin mit meiner besten Freundin Uta zum Shopping verabredet.
Shopping, eine der weiblichen Lieblingsbeschäftigungen, denkste. Shopping in Form von Marathon durch zahlreiche riesige Kaufhäuser, da kann ich mir besseres vorstellen. Naja, was tut Frau nicht alles für ihre beste Freundin. Nach einer Dusche und einer Tasse Fair Trade Bio Kaffee sitze ich schon in der Frankfurter U-Bahn und bin auf dem Weg in die Innenstadt. Wir sind an der Hauptwache verabredet, da geht der Shopping Wahnsinn los.
„Da bist Du ja endlich!“ tönt sie mir schon entgegen. Ich murmle etwas in meinen imaginären Bart und schon stehe ich im ersten Kaufhaus. „Also, ich brauche unbedingt eine neue Jeans, so im Röhren Cut wäre toll. Dazu ein paar passende Shirts und eine neue Jacke.“ Na da haben wir uns einiges vorgenommen, ich mache ein gute Laune Gesicht und streife mit ihr durch die Abteilungen. Uta fischt eine runtergesetzte Jeans aus einem überfülltem Kleiderständer. Sie kostet nur noch 59,90 Euro, made in Bangladesh. Uta ist begeistert. Ich runzle die Stirn und überlege mir unter welchen Bedingungen die Jeans produziert wurde. Uta hat ihren Spaß: „Schau mal die sitzt doch super, oder? Warum schaust Du mich so an?“ Ich lasse Uta die Freude und bestätige den perfekten Sitz der Jeans. „Sie steht Dir echt gut, Uta!“ den Teil mit der von Pestiziden belasteten Baumwolle verkneife ich mir.
Die Beine sind blau!
Plötzlich schreit Uta mit schriller Stimme, „Was ist das denn?“ Ich eile ihr sofort zur Hilfe. Entsetzt zeigt sie mir ihre blau verfärbten Oberschenkel. Auf ihre Bitte hin hole ich eine Verkäuferin zur Hilfe. Die Verkäuferin sagt nüchtern: „Was erwarten Sie bei so einem Top Preis!? Das kann schon passieren, dass eine Jeans abfärbt. Wenn Sie keine Allergie haben, völlig ungefährlich.“ Uta ist die Lust vergangen, panisch fragt sie: „Bekomme ich die Farbe wieder runter?“ „Klar, ein bisschen schrubben dann geht das schon.“ erwidert die Dame vom Fach. Uta schaut mich verzweifelt an, ich wittere meine große Chance. „Wie findest Du eigentlich meine Jeans Uta?“ „Ja, toll sieht die aus, Du kannst doch eh fast alles tragen!“ Uta zieht sich wieder an und schaut mich mit großem Schmollmund an, „Ich hab keine Lust mehr auf einkaufen, was ist wenn die Verfärbung an meinen Beinen bleibt?“
Ich beruhige Uta und fluchs sitzen wir in der U-Bahn Linie 4, auf dem Weg zu Utas Wohnung in Bornheim. Nach einer Dusche haben Utas Beine den Wasserleichen Look verloren und sie kann wieder lachen. Gemeinsam gehen wir auf die Berger Straße. In Bornheim und im Frankfurter Nordend gibt es einige kleine Boutiquen mit cooler Öko Mode. Hier kaufe ich fast alle meine Klamotten. Die Geschäfte sind meistens vergleichsweise klein und das Personal super freundlich.
Shopping kann auch Spaß machen.
Es dauert nur wenige Minuten und Uta ist fündig geworden. „Schau mal, die ist doch toll!“ Das sehe ich auch so, die Jeans sieht mindestens genauso gut aus, wie die aus dem großen Kaufhaus. „Die ist sogar aus Bio Baumwolle, kostet aber mehr und schau da das Shirt würde super dazu passen. Ist auch aus Bio Baumwolle, Du sagst doch immer die ganzen Pestizide in den Klamotten wären schädlich. Da muss ich eben ein bisschen mehr ausgeben, geht schliesslich auch um meine Gesundheit. “ meint meine Freundin, die sich sonst nur mit Designer Marken schmückt, die gerade in einer der großen Frauen Zeitschriften angepriesen werden.
„Warum hast Du mir den tollen Laden jetzt erst gezeigt?“ fragt Uta vorwurfsvoll. Schmunzelnd denke ich mir, ich habe Dir schon so oft davon erzählt und Du hast es immer als Öko Laden abgetan. Anstatt meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, sage ich beschwichtigend: „Ich war unsicher ob die Sachen hier Deinem Qualitätsanspruch entsprechen.“ „Ab jetzt kaufen wir immer hier ein und die anderen Läden im Viertel zeigst Du mir bitte auch noch!“ erwidert Uta energisch. Ich lächle sie an und freue mich, Ziel erreicht.
