stadtplausch blog Letztens in der Frankfurter U-Bahn

 

 

Untergrund Bahn was ein Wort, da ist mir U-Bahn schon lieber. Wenn ich als Kind mit meinen Eltern U-Bahn gefahren bin, habe ich mich oftmals gegruselt. Endlos erscheinende Rolltreppen die im Boden verschwinden, für mich war das wie das Tor in einen riesigen dunklen Schlund.

Heute bin ich erwachsen, wohne in Frankfurt und fahre oft und regelmäßig mit der U-Bahn. Die Furcht vor dem dunklen Untergrund ist gewichen. Der Geruch, der mir entgegen kommt wenn ich mit der Rolltreppe nach unten fahre ist mir inzwischen vertraut. Wie so oft muss ich zur stehenden Bahn rennen in der Hoffnung, dass der Fahrer die Tür noch einen Moment lang offen lässt. Ich habe es geschafft, in letzter Sekunde quetsche ich mich in die U-Bahn. Der Geruch ist schnell ein anderer, ein schweres Frauen Parfum zieht mir in die Nase. Es kommt von der kleinen alten Dame vor mir, die sich in der vollen U-Bahn notgedrungen an mich drückt.

Die U-Bahn füllt sich.

Kollegen fragen mich oft: “Warum fährst Du überhaupt noch U-Bahn?! Du verdienst doch gut genug für ein schickes Auto und kannst so schön bequem zur Arbeit fahren.“ Puuuh, jetzt bekomme ich auch noch die Fahne von dem Herren ab, der gestern Abend anscheinend ordentlich Knoblauch gegessen hat. In diesem Moment irgendwo zwischen Bornheim Mitte und Höhenstraße in einem dunklen Tunnel frage ich mich auch, „ Warum fahre ich eigentlich immer noch mit der U-Bahn?“ „Nächste Haltestelle, Höhenstraße!“ tönt es durch den Lautsprecher. Ich hoffe und bete, dass nicht all zu viele neue Leute zusteigen. Das war wohl ein Wunschdenken, ich wundere mich immer wieder, wie so eine U-Bahn es schafft so viele Menschen auf einmal zu transportieren. Es wird noch voller, die obligatorische Bitte auch in die Gänge weiterzugehen anstatt nur im Türbereich zu stehen ist zwecklos. Im U-Bahn Gang stehen auch schon Leute. Glücklich ist wer einen Sitzplatz hat. In der U-Bahn sind die Plätze am Fenster die Besten. Ein Sitzplatz am Gang liefert nur bedingten Erfolg, denn sobald die U-Bahn aus allen Nähten zu platzen droht, schiebt sich ein Hintern nach dem Anderem vors Gesicht. Also vielleicht doch ganz gut nur die parfümierte Omi und den nach Knoblauch duftenden Herren vor mir zu haben.

U-Bahn fahren macht doch Spaß.

Jetzt sind wir schon am Merian Platz. Hurrah zwei Leute steigen aus und zumindest an meiner Tür kommt niemand mehr dazu. Noch eine Station, dann kann ich die U-Bahn hinter mir lassen und bin an meinem heutigen Ziel, Konstablerwache angekommen. Entspannt sehe ich mich um wer sich die U-Bahn Parzelle sonst noch mit mir teilt. Da schaut Frau doch gerne zwei Mal hin, groß, breite Schultern, eine super stylische Nerd Brille auf der Nase und hellbraunes verwuscheltes Haar und er lächelt mich an. Mist, ich muss aussteigen, bin verabredet, muss weiter.

Wenn mich das nächste Mal jemand fragt warum ich noch immer U-Bahn fahre werde ich antworten: „Weil es umweltfreundlicher als Dein Sportwagen ist, ich ohne Parkplatzsuche schnell in die Stadt oder zur Arbeit komme und weil hier die nettesten Überraschungen auf Einen warten.“ Mit einem Lächeln auf den Lippen verlasse ich die U-Bahn, drehe mich nochmal um und freue mich schon auf die nächste Fahrt.

Gelesen: 1108
Kommentare (1)Add Comment
Erlebnisse in der U-Bahn
geschrieben von Frankfurterin, August 16, 2010
das kommt mir durchaus bekannt vor...sehr lustig und so wahr...

Kommentar schreiben
weniger | mehr

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

rein spaziert